Des Chinesens Lieblingssport: Tischtennis

Die Plätze um die besten Tischtennisspieler der Welt, sind alle unter Chinesen oder zumindest Spielern chinesischer Herkunft verteilt. Es scheint wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass nur Chinesen richtige Erfolge im Tischtennis erzielen können; und das tun sie in der Regel auch. Die zu erringenden Goldmedaillen bei den letzten 10 Tischtennisweltmeisterschaften? 80. Die Anzahl der Goldmedaillen die davon an das Reich der Mitte gingen? 73.

Was für Deutsche der Fußball ist, ist für Chinesen das Tischtennis

Tischtennis hat in China Tradition. Anfang des 20, Jahrhunderts wurde das Tischtennis, welches ursprünglich in Indien erfunden und von den Engländern im Zuge der Kolonialisierung nach Europa gebracht wurde, erstmals eingeführt. Schnell verbreitete sich die Sportart im ganzen Land, wobei es sich hauptsächlich in den Küstenstädten an Beliebtheit erfreute. Eine regelrechte Tischtennisepidemie, im guten Sinne, wurde ausgelöst und führte schlussendlich zur Etablierung des Tischtennis als Nationalsport. Denn was für den Deutschen der Fußball ist, das ist für den Chinesen das Tischtennis. Die Durchsetzung des sogenannten Ping Pongs in China hat aber nicht nur Gründe der Beliebtheit wegen. Tatsächlich ist es so, dass im Zuge einer Abkehrung des Westens und dem Versuch diesem in keiner Hinsicht zu ähneln, “westliche” Sportarten in der kommunistischen Volksrepublik verboten wurden. Da das Tischtennis in Europa weniger gut als andere Sportarten ankam, eignete es sich als die ideale Disziplin, um sich auch in sportlicher Hinsicht vom Westen zu unterscheiden.

Tischtennis als Nationalsport

Der Grund weswegen Tischtennislegenden wie Ma Long & Co aber überhaupt erst Legenden werden konnten, ist nicht nur, wenn doch auch, Begabung. Bezieht man sich noch einmal auf die Aussage “Was für den Deutschen Fußball ist, ist für den Chinesen Tischtennis”, so erklären sie die Gründe wie von alleine. Hierzulande spielen Kinder Fußball. Es scheint das Normalste der Welt zu sein, dass man es mit 5 Jahren bereits spielt und vielleicht sogar mal in den Verein geht. Geht man nicht in den Verein, so ist man sicherlich in der Schule für das Fußballtraining jeden Dienstag um 15 Uhr angemeldet. Dass das Kind Fußball nicht mögen könnte, kommt vielen Eltern gar nicht erst in den Sinn. Dementsprechend verhält es sich in China mit dem Tischtennis. Tischtennisunterricht in Schulen, Tischtennisstiche in Parkanlagen, Firmentischtennis am Arbeitsplatz, Tischtennisvereine für Jung und Alt. Sieht man genau hin, so findet man im 1,3 Milliarden-Seelen-Land irgendwo sicherlich immer einen Tischtennistisch. Somit gibt es in China eine Förderung von Kindern im Tischtennissport, wie es sie in Deutschland für Fußball gibt. So ergibt es sich dann, dass Zhang Jike mit dem Topspin, das Pendant zum dribbelnden Thomas Müller ist.

Tischtennis als Unterhaltung

Tischtennis, oder auch Ping Pong, wird in China nicht nur gerne gespielt. Als Unterhaltung dient es im ehemaligen Kaiserreich ebenso gerne. Das Highlight des Jahres stellt dabei selbstverständlich die Weltmeisterschaft dar. Bei der Tischtennis-WM 2017 in Düsseldorf, strahlte das chinesische Fernsehen ganze 87 Stunden für 320 Millionen Zuseher über das Turnier aus. Das sind fünfmal so viele Zuschauer wie in Westeuropa insgesamt. Was einst als Abgrenzung des Westens diente, hat sich zu einer Leidenschaft für ein ganzes Volk entwickelt. Eine Leidenschaft, welche nicht nur geliebt, sondern auch bestens beherrscht wird. Dass das chinesische Team oder chinesische Spieler den Sieg erringen ist ein ungeschriebenes Gesetz. Nach der 3:0 Niederlage von Deutschland gegen China bei der Weltmeisterschaft 2018, konnten die Deutschen sich also so genommen zum Sieger küren, wenn doch mit Wermutstropfen. So geliebt und gefördert wie im Reich der Mitte, wird der vielleicht schnellste Ballsport der Welt wohl niemals irgendwo sonst.

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